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| Stille Tage in Roissy: Roissy - wie es sein könnte. von
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Ungewöhnlich offen...
• • • • • (bewertet mit 5 von 5 Punkten)
Rezension bezieht sich auf: Stille Tage in Roissy: Roissy - wie es sein könnte. (Taschenbuch) ist dieses Buch. Weit und breit keine SM-Stereotypen, dafür der sensible und manchmal brutal offene Einblick in die Welt des SM.
Hier geht es nicht um die genretypischen, comichaft-unrealistischen Vorstellungen wie SM aussieht, sondern um eine (im herkömmlichen Sinne) eigenartige Beziehung von Menschen, die sich auf Gedeih und Verderben einander ausliefern. Zwei Menschen, die sich bedingungslos vertrauen, wobei beide jeweils eine Seite der Medaille darstellen. Er - dominant, beschützend, fordernd; sie - devot, schutzsuchend, alles gebend.
Wie könnte eine solche Beziehung in der echten Welt außerhalb der Literatur aussehen? Die Autorin schildert die Gefühlswelt ihrer Romanfiguren sehr eindringlich und plastisch und man kann anhand des Vorworts davon ausgehen, daß die Autorin in eben einer solchen Beziehung lebt. Damit das Buch aber keine philosophische Arbeit bleibt, hat sie eine Kriminalstory hinterlegt.
Worum geht es nun in diesem Buch? Vordergründig um die Auflösung einer Serie ungeklärter Mordfälle. Gewitzt, eindringlich und mit ungewöhnlichen Stilmitteln (wie der monierten eigenwilligen Groß-/Kleinschreibung) schildert die Autorin den Rachefeldzug einiger verantwortungsbewußter Herren, die es leid sind zuzusehen, wie andere Möchtegern-Doms Sklavinnen physisch und psychisch ruinieren. Natürlich darf die Ermittlungsarbeit der Polizistin nicht zu kurz kommen, welche sich immer tiefer im Gestrüpp der SM-Szene verstrickt.
Eigentlich geht es meiner Meinung nach in diesem Buch aber darum, die weit verbreitete Ausnutzung devoter Menschen im SM anzuprangern. Menschen, die sich größtenteils danach sehnen, sich jemanden vollkommen ausliefern zu können, werden dann meistens doch nur ausgenutzt. Und hinter allem steht das SM-typische Dogma, daß Devote nichts anderes wollen.
Diese Zweiteilung spiegelt sich auch im Handlungsablauf wider. So herrscht am Anfang eine nachdenkliche, romantische Stimmung, die langsam aber sicher immer mehr ins fatalistische wechselt um dann am Ende in einem brutalen wie spannenden Finale zu enden. Der einzige Vergleich für dieses Ende ist für mich Thomas Harris' "Das Schweigen der Lämmer"; abstoßend, erschreckend und faszinierend zugleich.
Ein wunderbares und wertvolles Buch! Leider wird ihm im Kreise der Erotik-Literatur wahrscheinlich nicht die gerechte Würdigung zuteil werden, da die meisten doch nur eine Bettvorlage suchen.
Wer aber ein anspruchsvolles Stück Literatur mit einem mächtigen Sexappeal sucht, der wird dieses Buch nicht wieder aus der Hand legen.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 7. Januar 2005 | | | | | | | |
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